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Newsletter Nr. 03/ März 2004


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, Ihnen zum dritten Mal meinen Newsletter zusenden zu können. Wieder finden Sie in ihm meine aktuellen Weiterbildungskurse und -veranstaltungen für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aufgelistet und kommentiert. Da mich in den vergangenen Monaten viele Reaktionen von Ihnen erreichten, habe ich mich bemüht, in der aktuellen Themenauswahl noch stärker auf Ihre Wünsche einzugehen. Ob mir das gelungen ist, überlasse ich Ihrem Urteil. Damit es mir aber von Mal zu Mal besser gelingt, bin ich ganz auf Ihre freundliche Kritik angewiesen. Bitte nehmen Sie kein Blatt vor den Mund!
Natürlich sind mit dem Erscheinen des Newsletters 03/ 2004 nicht alle Themen der ersten beiden Ausgaben außer Kraft gesetzt. Wer gern an sie erinnert werden möchte, der findet sie weiterhin unter dem Menüpunkt "kurse" auf meiner Webseite http://www.text-und-web.de, die sich auf Ihren Besuch freut. Die drei meistfrequentierten Veranstaltungsangebote des vergangenen halben Jahres waren übrigens:

Die Rückkehr der Novelle (11x)
Aktuelles aus der Weltliteratur (8x)
Internet und Deutschunterricht (4x)

Erneut habe ich zwischen die hier folgenden Veranstaltungshinweise Tipps geschmuggelt, die auf ein aktuelles Buch, eine Internetseite sowie ein Jubiläum verweisen. Sie dürfen gerne Gebrauch von ihnen machen.

Mit freundlichen Grüßen aus Erfurt
Ihr
Dietmar Jacobsen


Veranstaltungsangebot 1: Internet-Projekt II: Suchen im Unendlichen oder Über Methoden, sein Ziel schnell zu erreichen
Veranstaltungsdauer: 2 bis max. 6 Stunden (nach Absprache)
Kurzbeschreibung:

Dass das Internet aus dem modernen Deutschunterricht nicht mehr herausgehalten werden kann, ist mittlerweile Konsens. Auf welche Weise es wirklich sinnvoll einzusetzen wäre, scheint aber noch weitgehend umstritten. Vor allem sein Überangebot und die damit einhergehende Eigenschaft, dass es Sinnvolles neben Sinnlosem, Wissenswertes neben Halb- und Nichtwissen, Top-Information neben hohlem Geschwätz präsentiert, macht die Sache schwierig.
Die Veranstaltung beschäftigt sich aus diesem Grund mit dem Suchen im Online-Angebot. Vorgestellt werden die besten und für den Deutschlehrer relevanten Suchmaschinen und Datenbanken, sowei Methoden, mit denen man ihnen das abringt, was man wirklich braucht. Da Theorie in diesem Falle zwar nicht ganz verkehrt, praktisches Üben am PC aber sicher das Non plus Ultra ist, sollte ein Computerraum zur Verfügung stehen und die Zahl der Teilnehmenden gegebenenfalls limitiert werden.


Die aktuelle Rezension:

Nicht oft überzeugt mich ein Autor sofort, wenn er die Szene betritt. Meistens ist es sogar so, dass literarische Debüts mich eher langweilen: man kehrt zuviel vor der eigenen Tür und kümmert sich zu wenig um die Allgemeinheit. Bei André Kubiczek war das anders. Zwar ist sein zweiter Roman auf den ersten Blick ziemlich verrückt, aber er packt seinen Leser von Anfang an und ist voll überbordender Einfälle. Damit markiert das Buch eine echte Ausnahmeerscheinung in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur und man kann durchaus gespannt sein, was seinem Autor demnächst einfallen wird. Lesen Sie meine online-Rezension des Buches unter http://www.tour-literatur.de/rezensionen/kubiczek_guten.htm und machen Sie vom folgenden Angebot Gebrauch, das ab sofort in regelmäßigem Rhythmus die Veranstaltung "Aktuelles aus der Weltliteratur" mit einem Blick auf die Literatur des deutschsprachigen Raums ergänzen soll.


Veranstaltungsangebot 2: Tendenzen der deutschen Gegenwartsliteratur seit der Wiedervereinigung
Veranstaltungsdauer: 2 bis max. 6 Stunden (nach Absprache)
Kurzbeschreibung:

Die Veranstaltung versucht, die deutsche Literaturentwicklung in den letzten fünfzehn Jahren zu bilanzieren. Das Wendejahr 1989/90 wird dabei auch literaturgeschichtlich als Zäsur begriffen. Es mussten allerdings von jenem Zeitpunkt an noch einige Jahre vergehen, bis gültige literarische Verarbeitungen des Systemwandels vorlagen. Und keineswegs wuchs in der Literatur schneller zusammen, was sich in der alltäglichen Erfahrungswelt als schwer kompatibel herausstellte.
Ein merkbarer Trend ist deshalb jener zur Regionalisierung des schreibenden Interesses, verbunden mit dem Verlangen, sein jeweiliges Herkommen im Erzählen zu rechtfertigen. Desweiteren vollzog und vollzieht sich die Ablösung einer Generation von Autoren, die sich ihr weltweites Ansehen in den 50er und 60er Jahren erarbeitete. Ihre internationale Reputation hat von den jüngeren Schriftstellern bis dato kaum einer erreicht. Und schließlich ist das überlieferte Mediensystem im kompletten Umbruch begriffen, eine Tatsache, der sich auch die Literatur zu stellen hat, will sie im 21. Jahrhundert nicht gänzlich bedeutungslos werden.


Mein Surftipp:

Das Internet bietet die einzigartige Möglichkeit, nicht nur in Wörterbücher und Enzyklopädien problemlos Einsicht nehmen zu können, sondern auch an ihnen mitzuarbeiten. Konkurrenzlos steht in dieser Hinsicht das Projekt von Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite da. Jeder, der etwas zu diesem schnell wachsenden und natürlich gebührenlos zugänglichen Wissensschatz beitragen will, kann das, nachdem er sich bei der Seite angemeldet hat, tun. Täglich kommen auf diese Art heute bereits mehrere hundert neue bzw. durch spezifische Erweiterungen verbesserte Artikel hinzu. Wächst Wikipedia in diesem Tempo weiter, wird hier schon in wenigen Jahren eine Informationsquelle zu finden sein, wie man sie sich besser und aktueller in unseren Tagen nicht wünschen kann.


Veranstaltungsangebot 3: Das Sonett in Geschichte und Gegenwart (Klassische Formen III)
Veranstaltungsdauer: 2 bis max. 6 Stunden (nach Absprache)
Kurzbeschreibung:

Mit dem Sonett nähern wir uns nach den Veranstaltungen zur Novelle und zur Ballade der dritten klassischen Form, die über die Jahrhunderte nichts von ihrer Anziehung eingebüßt hat. Wir werfen einen Blick in die Geschichte dieser Dichtungsform, halten bei Lyrikerinnen und Lyrikern, denen sie ihre Glanzzeiten und Spitzenleistungen verdankt, gehen der Frage nach, warum auch heute noch Sonette geschrieben werden, und üben uns - so Sie mögen - an herausragenden Beispielen im formgerechten Interpretieren. Übrigens: Dem Sonett folgt in meinem nächsten Newsletter als vierte klassische Form das Märchen. Und wer es der Reihe nach liebt: auch die Veranstaltungen zu Novelle und Ballade können im Moment noch gebucht werden.


Erinnern Sie sich noch an ... ?

...die Popliteratur?

Vor ca. zehn Jahren war zum ersten Mal von ihr die Rede. Junge Autoren und neuigkeitshungrige Feuilletonisten suchten über die Verbindung von traditionellem Medium und modernem Lebensstil in vielerlei Façetten eine neue, näher am Leben positionierte Literatur zu schaffen. Namen wie Christian Kracht, Benjamin von Stuckrad-Barre, Joachim Lottmann oder Alexa Hennig von Lange zogen die Aufmerksamkeit eines breit gefächerten Publikums auf sich. Rap-Texte kämpften um literarische Reputation, Skandale und Skandälchen würzten die ansonsten eher biedere Schriftsteller-Szene.
Heute ist es um einiges ruhiger um die Helden von damals geworden. Pop mündete ein in den mainstream. Was als Revolte anfing, ist bestenfalls noch Attitüde. Was bleibt sind die Bücher der selbsternannten Provokateure. Nicht alle von ihnen haben überlebt. Aber eine ganze Reihe davon ist eine weitergehende Beschäftigung wert.
Gerne gebe ich Ihnen einen konzentrierten Überblick über das Phänomen, stelle seine wichtigsten Vertreter vor und diskutiere mit Ihnen den einen oder anderen Text, der es meines Erachtens verdient, als Schullektüre zu überleben.


Veranstaltungsangebot 4: Aktuelles aus der Weltliteratur
Veranstaltungsdauer: 2 bis max. 3 Stunden (nach Absprache)
Kurzbeschreibung:

Auch in diesem Newsletter darf die Weltliteratur nicht fehlen. Die beliebte Veranstaltungsreihe widmet sich erneut Neuerscheinungen und aktuellen literarischen Tendenzen. Der Schwerpunkt liegt diesmal - nachdem zuletzt AutorInnen aus Nord- und Lateinamerika, Frankreich und Südafrika im Mittelpunkt standen - auf der osteuropäischen Literatur. Vorgestellt werden herausragende Werke aus Polen, Ungarn, Russland und Rumänien. Aber natürlich wird auch ein Wort zu den "Rennern" des letzten Jahres zu verlieren sein, Jonathan Franzens so großartigem wie umfangreichem Familienroman "Die Korrekturen" und Gary Shteyngarts witzig-tiefgründigem "Handbuch für den russischen Debütanten", einem echten Wenderoman aus Amerika.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Der Newsletter 04/ 2004 wird Sie mit Ihrer freundlichen Zustimmung Anfang Oktober des Jahres erreichen. Gerne würde ich wieder auf Ihre ganz speziellen Wünsche und aktuellen schulischen Bedürfnisse eingehen. Setzen Sie sich zu diesem Zweck doch einfach mit mir in Verbindung. Und - bleiben Sie gesund inzwischen!

Ihr
Dr. Dietmar Jacobsen

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